Schloss


Das Schloss ist im Besitz der Marktgemeinde Kittsee und kann gerne für Events, Hochzeiten und sonstige Veranstaltungen gemietet werden. (Formular)
Da derzeit kein Museum installiert ist, und das Schloss leer steht, können leider keine Besichtigungen oder Führungen außerhalb von Veranstaltungen durchgeführt werden.
Der Park ist für die Öffentlichkeit zugänglich!

 

Folgende Objekte unterstehen dem Denkmalschutz:

- Gartenportal mit schmiedeeisernem Hauptor (Obj. 6003)
- Wetterhäuschen aus Gusseisen mit Dachhaube (Obj. 6005)
- Neues Schloss inkl. Gartenanlage (Obj. 6002)

 

Bausubstanz:

Seit dem Kauf durch die Gemeinde hat sich einiges getan:
Die zugemauerten Arkaden im Schloss wurden geöffnet und verglast. Das Schloss wurde und wird immer noch Stück für Stück renoviert. 

In den 1970er Jahren wurde das Ethnographische Museum eingerichtet, welches bis kurz nach der Jahrtausendwende bestand.

Im Jahr 2017 wurde bei einem Deckensturz im großen Saal entdeckt, dass die früher bunt bemalten Wände und die Decke im Laufe der Zeit immer nur weiß übermalt wurden. Nach aufwendigen Renovierungen erstrahlt der Saal wieder in seiner bunten Pracht.

Ebenso wurde die Restaurierung des Schlossportals samt schmiedeeisernem Tor in Auftrag gegeben. 2019 konnten die Arbeiten fertig gestellt werden. Die, nach alten Unterlagen, rekonstruierten Figuren (Greif und Löwe) rechts und links an den Portalstehern, bewachen wieder den Eingang.

Die Restaurierung des großen Wasserbeckens in der Parkanlage, sowie der Löwen wird ins Auge gefasst.

Die Gemeinde ist mithilfe des Bundesdenkmalamtes sehr bemüht, den alten Glanz des Gebäudes nach und nach wieder herzustellen.

 

Parkanlage:

Die Parkanlage wird gehegt und gepflegt. Die alten Buchsbaumhecken jährlich vom Zünsler befreit und zurechtgeschnitten.
Alte Bäume werden bestmöglich behandelt bzw. ausgeschnitten. Im schlimmsten Fall gefällt.
Auch der bislang wenig genutzte und somit schon etwas verwilderte Teil vor der ehemaligen Hauskapelle, wurde wieder bestmöglich hergerichtet.
Derzeit wird der kleine Springbrunnen vor der ehemaligen Hauskapelle wieder in Betrieb genommen.

Ein Kinderspielplatz und ein Funcourt (Sportmöglichkeit für Erwachsene) wurden im hinteren Teil des Parks installiert.
Der alte Baumbestand wird gerne von Lehrern als Ausflugsziel für Klassen im Zuge des Biologieunterrichts gewählt.

 

Die Parkanlage wird von den Einwohnern und Besuchern gerne als Erholungsort besucht, für Fotoshootings oder  Sport- bzw. Spaziergänge genutzt.

Im ehemaligen Pförtnerhaus ist der Verein "KIKI - Kittseer Kinder" eingemietet.

 

Ein Restaurant im linken Erdgeschoss-Flügel ist derzeit auch wieder im Betrieb.

Vor dessen Eingangstür wurde ein offener Bücherschrank installiert, der Lesestoff für Parkbesucher bietet.

 

Zu allen Jahreszeiten finden im Innen- bzw. Parkbereich Kulturveranstaltungen (Sommerfestival Kittee, Pannonisches Forum, Kultursommer, Kulturherbst, Advent) statt.

 

Geschichtliches:

Nach der Hinrichtung seines Vetters Ladislaus Lishti zog es Johann IV. Listhi in den Markt Kittsee. Er wohnte im bereits vor 1625 errichteten Maierhof, den eine solide Mauer umgab. Zwischen 1664 und 1668 ließ er auf den Fundamenten unter Einbindung alter Bauteile das Neue Schloss im Renaissancestil mit zwei Flügeln erbauen.  Gemäß Kupferstich von Mattiasa Greischer um 1680 war es ein, von einer Burgmauer mit vier Bastionen und einem Wassergraben umgebenes, zwei Stockwerke hohes Gebäude.

Das später in den Schlossgarten versetzte und heute noch vorhandene historische Portal als Teil der alten Befestigungsmauer mit der Inschrift "1668 Johannes Lisztius" dürfte darauf hinweisen, dass die Bauaktivitäten des Grundherren in dem genannten Jahr abgeschlossen wurden. Der auf großem Fuß lebende Graf Johann IV. Listhi bewohnte das Schloss noch sechs Jahre, bis es 1676 mit dem Verkauf der Grundherrschaft Kittsee als "neu erbaute Burg" in den Besitz des Fürsten Paul I. Eszterhazy überging.

 

Grundherrschaft Esterházy:

Als die Türken aus Westungarn abgezogen waren, ließ Fürst Paul I. Eszterházy das einst von Johann IV. Listhi erbaute Schloss restaurieren und behielt den ursprünglichen Grundriss bei. Unterhalb der heutigen Küche im Erdgeschoss am Ende des östlichen Gebäudetraktes, befand sich ein um 1668 erbauter Keller. Dieser war dem Grundherrn wahrscheinlich zu klein, weshalb er ihn um 1705 zuschütten ließ.

Nur notdürftig repariert, befand sich das Schloss zu Beginn des 18. Jhdt. in einem beklagenswerten Zustand. 1709 ließ der Grundherr im fürstlichen Garten, der sich am Ufer des Gerinnes (Donauarm) beim Alten Schloss (jetzt Burg Kittsee) befand, als Ersatz für den Schlosskeller eine Eisgrube bauen. 1718 war das Schloss in weiten Abschnitten immer noch marode.

Ab 1563 wurden die Landtage in Preßburg abgehalten und die ungarischen Könige zumeist im Herbst im dortigen Martinsdom gekrönt. Damit kan der Hofhaltung der Grundherren in der Grundherrschaft Kittsee eine gewichtige Bedeutung zu. Ihre gesellschaftliche Stellung brauchte mit sich, dass die Fürsten Eszterházy Könige, Adelige und hochrangige Persönlichkeiten als ihre Gäste auf ihrem Gut Kittsee empfingen und zu Jagden einluden.

Nach dem Ableben den Fürsten Paul I. uns seiner Söhne ordnete der als Vormund eingesetzte Kanzler Georg Erdödy 1722 die Restaurierung aller im Besitz der Esterházy befindlichen Burgen, Schlösser und Gärten in den Zentren seiner Landgüter an. In einem großformatigen undatierten Plan aus der Mitte des 18. Jhdt. sind die prunkvolle Treppe wie auch die Arkaden und Gänge im Erdgeschoss dargestellt. 1726 wurde damit begonnen den Schlossgarten und das Dach des Schlosses instand zu setzen. Zwei Jahre später wurde mit dem Umbau des Neuen Schlosses begonnen.

Der alte Schlossgraben dürfte vor dem Umbau des Neuen Schlosses bereits trockengelegt worden sein. Die Neugestaltung des Schlosses hatte sich landesweit herumgesprochen. Das 1746 endgültig fertiggestellte Schloss dürfte den Vorstellungen de Fürsten Paul II. Anton wohl nicht entsprochen haben. Wohl deshalb entstanden in der Esterházyschen Güterzentrale in Eisenstadt um 1740 einige Entwürfe u.a. für ein Jagdschloss. Das Kittseer Schloss sollte zu einer reprästentativen Residenz im Schatten Preßburgs als Zentrum für Jagdlustbarkeiten hoher Gäste umgebaut werden. Aus ungeklärten Gründen wurde das Projekt nicht realisiert. Vielmehr fanden Umbaumaßnahmen statt. Es wurden einige Pläne gezeichnet. Aus bisher ungeklärten Gründen wich der Grundherr von diesen Plänen geringfügig ab und entschied sich für einen ein wenig veränderten Umbau des bestehenden Schlosses.

Etwa seit 1740 stand der Baumeister Johann Ferdinand Mödlhammer in Diensten des Fürsten.  1752 ordnete Paul II. Anton die Erweiterung des Schlosses an den Flügeln an, die nach vorgelegten Plänen ausgeführt werden sollten. Im Frühjahr 1753 bestellte die Grundherrschaft Kittsee Holz für den Bau verschiedener Zimmer im Schloss und weitere Gebäude. Als ersten Schritt begannen die Maurer und Zimmerleute, das fürstliche Zimmer im Obergeschoss, ein darunter befindliches Zimmer, das Treppenhaus, die Zuckerbäckerei, die Schlossküche, einige Zimmer unterm Dach des Pavillon im westlichen Flügel an- bzw. auszubauen. Die Maurerarbeiten waren größtenteils Mitte Juli 1754 abgeschlossen.

1754 wurde das Schloss als "wohl erbaut und eingerichtete Residenz" beschrieben und mit einer prachtvollen Illumination und anschließendem Feuerwerk dem Fürstenpaar Paul II. Anton und Prinzessin Anna Louisa Esterházy übergeben.

Den Fürsten und ihren Familien diente das Schloss vorwiegend als Gästehaus und für Reprästentatioszwecke.
Kaiserin Maria Theresia wie auch Kaiser Franz I. waren des Öfteren zu Gast. Ebenso  ist der Besuch des russischen Zar Peter I., der im Jahr 1698 inkognito in Kittsee weilte, belegt.

Die Gartenanlage vor dem Schloss war offenbar nicht besonders angelegt, dagegen verlief eine etwa 790 Klafter lange und sehr breite doppelreihige Lindenallee (heutige Alleestücke) geradlinig vom Schlosstor in Richtung Preßburg.

Anfang 1755 wünschte die Fürstin weitere kleine Veränderungen. Demnach sollte im Erdgeschoss des östlichen Flügels ein Raum abgetrennt und die Arkaden geschlossen werden, sowie am Ende des westlichen Flügels eine neue Toilettengruppe eingerichtet werden.

Große Bereiche des Schlossdaches wurden mit Dachziegeln neu gedeckt und eine neue Küche sowie die Zuckerbäckerei gebaut.

1760 wurden die Ausbauarbeiten fortgesetzt. Inspektionen durch den Baumeister erfolgten im Herbst 1762 und im Frühjahr 1763. Zu dieser Zeit restaurierten Handwerker den Prunksaal im ersten Stock, die Eingangsfassade und das Schlossgrabengebäude. Die Stallungen wurden modernisiert, eine Remise gebaut und die äußere Mauer mit den Bastionen ausgebessert. In dieser Bauphase wurde die Anordnung des Treppenhauses, ausgehend von der Durchfahrt im Erdgeschoss links und rechts desselben mit jeweils einer viertelgewendeten Stiege, seitwärts zu einem Podest im Obergeschoss führend, festgelegt, wie sie heute noch vorhanden ist.

Im Oktober 1760 erhielt der Schlosser und Uhrmacher Sebastian Kößler vom Fürsten den Auftrag, ein Uhrwerk mit Stunden- und Minutenzeiger und Schlagwerk für die Fassade oberhalb des Schlosseinganges zu fertigen. Die jährlichen Aufwendungen für die Erhaltung des Schlosses - das 1795 mit vier Bastionen, einem sehr breiten Graben und breiten Wällen umgeben war - verschlangen beträchtliche Summen. Die zum Schloss gehörigen Gebäude standen die meiste Zeit leer.

Anlässlich des Landtages im Jahre 1802 ließt Fürst Nikolaus II. - trotz der Geldknappheit im Majorat - im Schloss das Herrschaftszimmer neu einrichtigen und die übrigen Zimmer restaurieren, einen Pavillon für die Hauptwache, Pferdestallungen und Wagenschuppen sowie die Brücke neu erstellen.

In der Beschreibung der Grundherrschaft von 1802 wurde das Schloss folgenderweise beschrieben:
im Erdgeschoss befanden sich siebzehn Zimmer, zwei Küchen mit kleinen Speisekammern (darunter 2 Keller für Wein) sowie eine Wäscherei, eine Silberkammer und drei kleine Holzlager.
Im ersten Stock befanden sich sechzehn Zimmer und sechs Kabinette, wovon fünf unterteilt und von benachbarten Räumen zugängig waren, sowie ein großer Saal, eine Hauskapelle und eine Kredenz.  Im Dachgeschoss befanden sich neunzehn Bodenzimmer. In den beiden Grabengebäuden befanden sich zwei Abteilungen, eine große grundherrschaftliche Küche sowie zwei große und ein kleines Zimmer mit Küche für die Dienerschaft. Das Wohngebäude diente als Tabakraffinerie. Neben dem Tor am Haupteingang, stand ein Häuschen mit einem Zimmer und einer sehr kleinen Küche. Nächst dem Schloss gab es zwei Pavillons. Im ersten befanden sich fünf Zimmer, eine Küche und ein Keller. Im zweiten war eine Sattelkammer, ein Kuhstall für zwei Tiere, zwei Ställe für jeweils zwölf Pferde sowie eine Abgrenzung für sechs Pferde und zwei Wagenschuppen untergebracht.

Da die Franzosen den Übertritt der österreichischen Truppen bei Preßburg für denkbar hielten, stießen französische Vortrupps am 17. Mai 1809 nach Kittsee vor und besetzten das Residenzschloss. Nach Schätzung des Obersten wären die Maßnahmen mit 500 Mann in acht Tagen und einer Pionierdivision zu erledigen. Die französische Armee schüttete die Basteien mit Erdreich an und errichteten an den Basteien jeweil vier Batterien und verfüllte den Schlossgraben im Bereich des Zugangs an der Schlossbrücke mit Erde. Da es in Kittsee zu keinen kriegerischen Handlungen gekommen war, blieb die Bausubstanz des Schlosses nahezu erhalten. Allerdings ruinierten die französischen Invasoren die Inneneinrichtung sowie die Grabengebäude, drei Stallungen und die Wagenschuppen.

Im Jahre 1810, der Landtag 1811 stand bevor, forderte Fürst Nikolaus II. Esterházy auf, das Schloss und die Nebengebäude bis zum 20. März 1811 instand zu setzen und einige Abänderungen vornehmen zu lassen. Zunächst wurden die Aufschüttungen auf den Basteien einplaniert und der Schlossgraben wieder hergestellt. Die Maurerarbeiten beinhalteten vorwiegend die Ausbesserung der Pflasterungen im Saal, in den Gängen, der Zuckerbäckerei, der Küche und der Wohnung des Schlosspflegers sowie die Mauern der Grabengebäude, Stallungen, Wagenschuppen und Wasserkanäle. Da man davon ausgehen konnte, dass der Landtag bis zum Herbst andauern könnte, wurden im fürstlichen Tafelzimmer und dem Vorzimmer zwei neue Öfen aufgestellt.

Ende 1810 beauftragte der Fürst umfangreiche Reparaturen an der Tapezierung einzelner Räume vornehmen zu lassen. Zwischen 1803 und 1830 beschäftigte Fürst Nikolaus II. den französischen Architekten Charles Moreau.

Nach dem Landtag ließ Fürst Nikolaus II. das Schloss 1812 zu einer Vizeresidenz umgestalten. Da die Krönungsfeierlichkeiten für Karoline Auguste, der 4. Frau von König Franz I. 1825 bevorstanden, ließ der Fürst das Kittseer Schloss und das Preßburger Majoratshaus instand setzen und teilweise neu möblieren.

Am 25. März 1830 frühmorgens erreichte die Kittseer Brandkatastrophe auch das Schlossareal. Die Schlossstallungen und Wagenschuppen sowie das Hauptwachgebäude fielen in Schutt und Asche. Da der Landtag nahte, setzte die Wiedererrichtung der Gebäude ein. Die Pläne wurden mehrfach verändert und die Konstruktionen verinfacht, so dass die Zimmerarbeiten stark von der bis dahin üblichen Praxis abwichen.

1831 ließ der Fürst das Hauptwachgebäude renovieren und die vier Hauptmauern erhöhen.

Bei dem zum Jahreswechsel 1833/1834 herrschenden Sturm mit den einhergehenden schweren Schauern brach der im Schlosshof verlaufende Abwasserkanal ein.

In den Jahren nach der letzten Krönung des Königs in Preßburg verlor das Kittseer Schloss an Bedeutung und war eher ein lästiger Kostenblock im Majorat. Dennoch wendete der Fürst 1846 einiges für die Instandsetzung des Pavillons im Kittseer Schlossgarten auf.

1862 räumte der Majoratsfürst Paul III. Anton Esterházy die Schlosskapelle und ließ die Paramente und Messgefäße dem Kittseer Pfarrer übergeben.

Der Zahn der Zeit, Einsparungen und Verpachtungen hatten ihre Spuren an der Liegenschaft hinterlassen. Nur noch wenige Räume waren möbliert. Allgemein befand sich das Schloss nicht mehr in standesgemäßem Zustand.

 

Grundherrschaft Batthyány:

Nachdem die verwitwete Gräfin Antonia Batthyány die Gutsherrschaft Kittsee übernommen hatte, wohnte sie ab ca. 1870, bevorzugt im Sommer, im Schloss Kittsee.

In den folgenden Jahren wurde das Schloss Zug um Zug renoviert. 1872 wurde ein Teil der Schindeldeckung erneuert. Im selben Jahr ließ die Gräfin die Meissnersche Heizung installieren. Den Naturgewalten begegnete die Gräfin mit modernen technischen Einrichtungen. 1877 ließ sie auf dem Dach des Schlosses Blitzableiter-Auffangstangen montieren.

Als Graf Joseph Batthyány nach dem Tod der Gräfin Antonia einen Teil der Liegenschaft 1877 an Gräfin Louise Batthyány übergab, wurden die Ausstattung und die Nutzung der Räume wieder einmal beschrieben.
Das Schloss umgaben noch ein Graben und eine Wallmauer mit vier Bastionen. Es war am Ende der gegen Preßburg gerichtete Allee über eine gemauerte Brücke mit gewölbten Durchlässen zugänglich. Im trockenen Wallgraben standen beiderseits der Brücke aus solidem Mauerwerk errichtete, ebenerdige Grabenhäuser mit Schindeldächern.....

1887 ließ die Batthyánysche Güterverwaltung das eines Grabengebäudes neu decken. 1888 reparierte man den teilweise vermoderten Dachstuhl des rechten Schlosstraktes. Drei Jahre später die Dachtrauben am großen Pferdestall am Park und kleinere Bereiche am Dach des kleineren Stalles. Anschließend wurde im Dachboden des rechten Schlosstraktes eine provisorische Stütze für das teilweise vermoderte Gebälk gezimmert.

Nach der Durchsetzung der Dampfmaschine und den damit verbundenen Techniken, ließ Dr. Ladislaus Graf Batthyány, beginnend um 1895, im Schloss die elektrische Beleuchtung und eine neuzeitliche Wasserversorgung, die von einem Brunnen gespeist wurde, sowie moderne Wasserklosetts installieren.

Anlässlich seiner Hochzeit mit Maria Gräfin Coreth zu Coredo und Starkenberg im Jahr 1899 ließ der Graf das Schloss renovieren und mit Neurenaissance-Elementen umgestalten.

Das Hauptwerk wurde auf die Fasse mit dem Mittelrisalit und dem hoch aufsteigenden Dach sowie Fenster und Fensterläden gerichtet, welche die historischen Architekturelemente stärker betonten. Im Inneren des Schlosses richteten die Handwerker einen Garderobenraum ein, in vier Räumen wurden die Fußböden ausgetauscht. Die zwei Treppenläufe vor dem großen Festsalal erhielten schmiedeeiserne Gitter und Laternen. Der große Saal wurde restauriert. Den Giebel an der Hofseite schmückten vier ionische Pilaster und drei hohe Bogenfenster.

In dieser Zeit wurden auch der neobarocke Garten mit einem kunstvoll geschmiedeten stählernen Hauptportal, das auf dem österreichisch-französischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt wurde, und die Grünanlagen nach englischem Vorbild angelegt. Zwei steinerne Löwen bewachten den Garten und flankierten eine langgezogene Treppe an der unteren, gegen Preßburg gerichteten Gartenebene. In den Einbuchtungen der Hecken standen einst Marmorbildnisse. Die Struktur des Schlossgartens mit den Löwen und der Treppe ist noch heute erhalten.

Um 1906 wurde der kleine Festsaal mit Stuck und anderen Elementen im Barockstil dekorativ gestaltet.

1909 erwarb der Graf acht kräftige und überlebensgroße aus Stein gehauene Atlanten, die zu Beginn des 18. Jhdt. wahrscheinlich für den Grassalkovich Palast in Preßburg gefertigt wurden, und ließ vor den Pilastern und Bogenfenstern eine von den Atlanten gestützte Altane anbauen. Die einstige Schlossdurchfahrt wurde zu einer Hauskapelle umgestaltet. Den kleinen Festsaal schmückten fortan zwei neobarocke Kachelöfen mit dem Batthyányschen Wappen.

Im Zentrum des hufeisenförmigen Schlossgebäudes mit den Arkaden an den ebenerdigen Seitenflügeln ließ der Schlossherr eine große Springbrunnenanlage installieren. Dessen Mitte zierte ein aus Stein gehauenes Standbild mit einer Fontäne. Der Meeresgott saß auf seinem von 3 Pferden gezogenen Wagen und erhöhrte die vor ihm um Hilfe flehende Nymphe. Den umlaufenden Rand des Wasserbeckens schmückten vier steinerne auf Kröten kauernde Nixen. Auch ein kleines Stallgebäude, mit einer Grundfläche von ca. 142 m² Grundfläche, ließ der Schlossherr von Grund auf restaurieren und darauf 1907 ein Stockwerk errichten.

Dieses Gebäude war repräsentativ ausgestattet und dürfte wohl als Gästehaus gedient haben.

Zahlreiche, hoch gewachsene alte Bäume umsäumten das Schloss un den an der Eingangsseite terrassenartig angelegten Vorplatz. Unweit des westlichen Flügels steht zwischen den Bäumen ein roter, briefkastenartiger Kasten, in dem der nunmerige Fürst (Die Erhebung in den Fürstenstand erfolgte im Jahre 1915. Kaiser Franz Joseph I. genehmigte die Annahme des Doppelnamens Batthyány-Strattmann.) eine Wetterstation installiert hatte. (Anmerkung der Gemeinde: als passionierter Astronom hatte er auch die Spitze des Daches durch ein Glasdach ersetzen lassen, um den Nachthimmel besser studieren zu können.)

Nach 1921 verließ die Familie Kittsee und zog nach Körmend.

Während des zweiten Weltkrieges okkupierte die deutsche Wehrmacht das Schloss und nutzte es als Kommandozentrale für militärische Dienste an den Ostfronten.

Nach Ende des Krieges nutzte russisches Militär ab 1945 das Schloss für einige Monate als Militärspital während der Besatzungszeit. Nachdem diese abgezogen waren, wohnten einige Familien im Schloss. Somit hatten die Kittseer Einwohner freien Zugang und erinnern sich noch an die kostbaren Tapeten.

Karl VI. Batthyány-Strattmann, einer der Söhne des Fürsten, emigrierte nach dem zweiten Weltkrieg nach Uruguay. Nach dem Abzug der Sowjet kehrte er 1955 zurück. Das Schloss wurde 1961 verkauft.

Der Privatinvestor Mautner-Markhof erwarb das Anwesen und errichtete darin seinen Wohnsitz sowie eine Hühnerfarm . Aler er in den 1960er Jahren in finanzielle Bedrängnis geriet, verfiel das Schloss zusehends. Den Springbrunnen veräußerte er an einen Amerikaner, der ihn abreissen und in den USA wieder aufbauen ließ. (Anmerkung der Gemeinde: letzter bekannter Standort der Brunnenfigur war in den Sterling Forest Gardens, Toxedo, Bundesstaat New York.) Heute existiert in Kittsee lediglich das Wasserbecken mit demoliertem Beckenrand. Zahllose historisch wertvolle Kunstwerke gerieten auf den freien Markt zum Verkauf und gingen für Kittsee verloren.

1965 erwarb die Gemeinde Kittsee das Schloss samt Park.

Quelle "Kittsee, Grundherrschaft und Markt - von den Anfängen bis heute" Band I - Autor Hermann Klezath, erschienen im ReMa-Verlag, D-28790 Schwanewede, ISBN: 978-3-94662-818-7
Alle Rechte sind dem Autor vorbehalten!
(Der Autor hat eine 3bändige Monographie über Kittsee sowie die umliegenden Gemeinden, welche geschichtlich über Jahrhunderte verbunden waren, erstellt.)

Bildquellen: Ethnographisches Museum, Dir. Irmgard Jurkovich, Dorf- u. Heimatverein, Gemeinde Kittsee